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Am
18. Oktober 1815, als sich der Sieg der verbuendeten oesterreichischen,
preußischen, russischen und schwedischen Heere ueber den
franzoesischen Kaiser Napoleon I. zum zweiten Mal jaehrte, erneuerte
Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach den
Orden der Wachsamkeit, auch Falkenorden genannt, den bereits sein
Großvater Herzog Ernst August am 2.August 1732 gestiftet und
der in der zweiten Haelfte des 18. Jahrhunderts wegen seiner nicht mehr
aktuellen Verleihungsbedingungen an Bedeutung verloren hatte. Ernst
August, selbst kaiserlicher Generalfeldmarschallleutnant und
kommandierender General der kaiserlichen Kavallerie, hatte an die
Ordensverleihung die Bedingungen geknuepft, dass die Beliehenen die
Laster meiden, tugendhaft leben und dem Kaiser als dem Haupt des Hl.
Roemischen Reiches Deutscher Nation Treue und Ergebenheit bezeigen
sollten.
Karl August, gepraegt von den Ideen der Aufklaerung und beeinflusst von
der in seiner Residenzstadt Weimar bluehenden deutschen Klassik, stand
1815 im Zenit seines politischen Wirkens.
Als preußischer General hatte er am deutschen Befreiungskrieg
gegen Frankreich teilgenommen und war auf dem Wiener Friedenskongress
mit einer Vergroeßerung seines Landes und dem erblichen Titel
eines Großherzogs belohnt worden. Damit stand er als
koenigliche Hoheit ueber seinen ernestinischen Vettern von der
gothaischen Linie, die in den Herzogtuemern Sachsen-Gotha und
Altenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Hildburghausen und
Sachsen-Coburg-Saalfeld regierten.
Die Ordenserneuerung zog sich bis Ende des Jahres 1815 hin. Die ersten
Ordensverleihungen fanden im Januar 1816 statt, und es ist wohl
anzunehmen, dass Karl August den Stiftungstag auf den 18. Oktober
zurueckdatiert hat, weil der Ordenstag der Tag der Befreiung
Deutschlands von auslaendischer Herrschaft sein sollte.
Mit dem neuen Orden konnten er und seine Nachfolger
zeitgemaeß repraesentieren, andere Fuerstenhaeuser beschenken
und hervorragende Verdienste um ihre Person wie um das
Großherzogtum belohnen. Dabei achteten Karl August und seine
Nachfolger besonders darauf, dass der neue Orden nicht nur an verdiente
Politiker und Militaers, sondern auch an bedeutende Kuenstler und
Wissenschaftler verliehen wurde. Unter den Traegern des
Weißen Falkenordens finden wir so bekannte Namen wie Johann
Wolfgang von Goethe, die Brueder Wilhelm und Alexander von Humboldt,
Karl Friedrich Schinkel, Leo von Klenze, Franz Liszt, Hector Berlioz,
Christian Daniel Rauch, Friedrich Tieck, Hans Christian Andersen,
Thomas Carlyle,
Ernst Rietschel, Johannes Schilling, Adolf Donndorf, Pablo Sarasate und
Ernst Haeckel, um nur einige Kuenstler und Wissenschaftler zu nennen.
Der Orden bestand urspruenglich aus drei Klassen. Die erste Klasse
bildete der jeweils regierende Großherzog als
Ordensgroßmeister, die Prinzen des großherzoglichen
Hauses und zwoelf Großkreuze, die an verdiente Personen im
Range von wirklichen Geheimraeten oder Generalmajoren vergeben wurden.
Die zweite Klasse bestand aus 25 Kommandeuren (Komturen). Die dritte
Klasse schließlich umfasste 50 Ritterkreuze. Zu den
Hauptpflichten der Ordensritter sollten Treue und Ergebenheit dem
deutschen Vaterland gegenueber, das Bemuehen um die staatliche
Entwicklung des neuen Großherzogtums auf allen Gebieten und
die Unterstuetzung der durch den Befreiungskrieg in Not geratenen
Mitbuerger und der Hinterbliebenen von gefallenen Kriegern gehoeren.
Als Ordenssymbol uebernahm Karl August den weißen Falken von
seinem Großvater als „ein in den gegenwaertigen
Zeiten angemessenes Symbol, welches zur Erfuellung dieser
Obliegenheiten und zur Wachsamkeit fuer das Wohl der Teutschen
auffordert, und allen Scharfsinn hierzu aufreget“.
Das fuer alle drei Klassen gleiche, nur durch die Groeße
unterschiedliche Ordenskleinod ist ein achtspitziges goldgefasstes, auf
der Vorderseite dunkelgruen und auf der Rueckseite weiß
emailliertes Kreuz unter einer goldenen koeniglichen Krone. Die
Kreuzwinkel sind mit goldgefassten, auf der Vorderseite dunkelrot und
auf der Rueckseite dunkelgruen emaillierten Spitzen mit weiß
emaillierten Ornamenten an den Enden verziert. In der Mitte traegt das
Kreuz einen goldenen, weiß emaillierten Falken mit goldenem
Schnabel und Faengen. Auf der Rueckseite des Ordenskleinodes befindet
sich in der Mitte ein ovales, dunkelblau emailliertes, von einem
goldenen Lorbeerkranz umgebenes Medaillon mit der vierzeiligen
Ordensdevise VIGILANDO/ASCENDIMUS. Die sich auf den zur Jagd
abgerichteten Falken beziehende Devise lautet auf deutsch: DURCH
WACHSAMKEIT STEIGEN WIR EMPOR. Zur Ordensdekoration der
Großkreuze und Kommandeure gehoeren außerdem
silberne Bruststerne.
Der achtspitzige Bruststern der Großkreuze traegt, umgeben
von einem blau emaillierten goldgefassten Ring mit der Ordensdevise
VIGILANDO ASCENDIMVS, ein Medaillon mit dem goldenen, weiß
emaillierten Falken vor goldenem Strahlengrund. Das Medaillon ist mit
einem goldgefassten dunkelgruen emaillierten Ordenskreuz unterlegt.
Der nur vierspitzige Bruststern der Kommandeure traegt das goldene
Medaillon in der gleichen Ausfuehrung wie beim
Großkreuzstern, aber ohne das dunkelgruen emaillierte
Ordenskreuz.
Die zweite und dritte Klasse wurde 1840 in je zwei Abteilungen
(Klassen) unterteilt. Waehrend des Deutsch-Franzoesischen Krieges
erhielten die Ordenskreuze und Bruststerne 1870 fuer militaerische
Verdienste die aus gekreuzten Schwertern bestehende Kriegsdekoration.
Das Ordenskleinod der ersten Klasse wurde an einem breiten Band von
rotem Moiré (Wasserlinienmusterung) ueber die rechte
Schulter und der Bruststern an der linken Brust getragen. Die
Kommandeure trugen das Ordenskleinod an einem schmalen roten Band um
den Hals, die Ritter der dritten Klasse am roten Band im Knopfloch.
Nach dem Tod des Beliehenen musste der Orden zurueckgegeben werden.
Der Orden hatte einen Kanzler und einen Ordenssekretaer. Zum Kanzler
wurde der jeweils den Vorsitz fuehrende Minister des
Großherzoglichen Staatsministeriums bestimmt.
Großherzog Karl Alexander stiftete 1878 anlaesslich seines
25-jaehrigen Regierungsjubilaeums das silberne Verdienstkreuz, das dem
Orden wie eine sechste Klasse angeschlossen wurde. Es traegt im Avers
in der Mitte die Namensinitialen C A, umgeben von der traditionellen
Ordensdevise VIGILANDO ASCENDIMUS und an gleicher Stelle im Revers die
Worte „Dem Verdienste“.
1892 beschloss Großherzog Karl Alexander, den Orden in
zweierlei Gestaltung zu verleihen. In der bisherigen Ausfuehrung sollte
er nur noch fuer Verdienste um das großherzogliche Haus und
das Wohl des Landes verliehen werden. Die fuer „andere
Verdienste“ Beliehenen erhielten den Orden in einfacher und
schlichter Ausfuehrung ohne die auf der Vorderseite dunkelrot und auf
der Rueckseite dunkelgruen emaillierten Spitze in den Kreuzwinkeln.
Auf dem Bruststern der Großkreuze wurde das dunkelgruen
emaillierte Kreuz unter dem Medaillon weggelassen. In dieser
Ausfuehrung fuer allgemeine Verdienste gab es keine Kriegsdekoration
(gekreuzte Schwerter). Großherzog Wilhelm Ernst, der letzte
regierende Großherzog von Sachsen, fuehrte 1902 eine zweite
Stufe des Verdienstkreuzes ein. Es wurde jetzt in Gold und Silber mit
seinen Namensinitialen WE verliehen.
Im Ersten Weltkrieg schließlich stiftete Wilhelm Ernst als
„ein zum Orden vom Weißen Falken gehoeriges
besonderes Ordenszeichen“, das Wilhelm-Ernst-Kriegskreuz,
fuer dessen Verleihung der Besitz des eisernen Kreuzes erster Klasse
Voraussetzung war. Es sollte nur an Soldaten und Offiziere, die
Staatsangehoerige des Großherzogtums waren oder dem
Infanterie-Regiment „Großherzog von
Sachsen“ angehoerten, verliehen werden.
Die Geschichte des großherzoglich saechsischen
Weißen Falkenordens fand ihren Abschluss mit dem Ende der
Monarchie in Deutschland im November 1918.
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